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DIE LINKE. im Bundestag

Ärztemangel im Ansbacher Umland: „Hausärzte oder Flatrate-Medizin?“

Volles Haus beim Themenabend "Land ohne Arzt? - Zukunft der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum" von MdB Harald Weinberg gestern im Kunsthaus Reitbahn.

Deutlich wurde: Der Ärztemangel ist großes Thema für Kommunalpolitik, Ärzteschaft und PatientInnen. Schließlich ist das Ansbacher Umland bundesweites Schlusslicht bei der Versorgung mit Hausärzten.

Die zahlreich anwesenden Mediziner kritisierten Planungsunsicherheit, Überbelastung und zunehmende Bürokratisierung. Die anwesenden Bürgermeister aus dem Kreis Ansbach, Siegfried Heß (CSU, Leutershausen), Gerhard Siegler (FW, Weidenbach) und Martin Assum (CSU, Oberdachstetten) berichteten von ihren jahrelangen Bemühungen für die Ansiedlung. Offenbar gebe es ein "Verteilungsproblem", da andere Regionen Bayerns eine deutliche Übersorgung aufwiesen.

Die Experten der Kassenärztlichen Vereinigung, Dr. Hans-Erich Singer und Dr. Ulrich Schwiersch, verwiesen auf falsche Ausgangslagen für die Berechnung des Ärztebedarfs basierend aus Bevölkerungsdaten aus den 90er Jahren und übten Kritik an den Krankenkassen, die sich "einen schlanken Fuß" machten.

Einig waren sich Singer und Schwiersch mit Weinberg, dass weiche Standortfaktoren wie Bildungseinrichtungen, schnelles Internet und guter ÖPNV wichtig für die Gewinnung von Nachfolgern für Hausarztpraxen seien. Weinberg regte zudem an, den Ärztemangel mit alternativen Zugängen zum Medizinstudium zu bekämpfen, etwa indem medizinische Ausbildungsjahre auf den NC angerechnet werden.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag strich auch grundsätzliches heraus. Der Privatisierungsdruck treffe inzwischen nicht nur Krankenhäuser, sondern ambulante Einrichtungen. Der Ersatz von Hausarztpraxen durch privat betriebene MVZs und "Flatrate-Medizin" sei keine Option: "Soll Gesundheit künftig Ware oder Daseinsvorsorge sein?", fragte Weinberg: "Linke Gesundheitspolitik kämpft für letzteres!"